Eine Reise voller Erfahrungen

Bereits seit 1995 besteht die Städtepartnerschaft zwischen der chinesischen Stadt Quanzhou und Neustadt an der Weinstraße. Seit 2011 wird die Freundschaft auf eine neue Weise mit einem jährlichen Jugendaustausch noch intensiver gepflegt. Nachdem uns letztes Jahr eine Gruppe chinesischer Schüler mit sechs erwachsenen Begleitpersonen zum ersten Mal besuchte, traten wir in diesem Sommer den Gegenbesuch in die 8 Millionen Stadt Quanzhou an.
Am Samstag, dem 03.08.2013, machten sich jeweils acht Schülerinnen und Schüler des Leibniz- und Käthe-Kollwitz-Gymnasiums auf den Weg ins ca. 10.000 km entfernte China, in die Provinz Fujian. Begleitet wurden wir von Frau Brigitte Griesemer, Lehrerin am Käthe-Kollwitz-Gymnasium, von Frau Anne Gimmler, Lehrerin am Leibniz-Gymnasium, von Herrn Marc Weigel, Kulturdezernent der Stadt Neustadt, sowie von Frau Judith Küchelbacher, Mitarbeiterin der Kulturabteilung. 
Nach einer etwa 24-stündigen Reise trafen die deutschen Schülerinnen und Schüler mit großer Aufregung und Vorfreude endlich auf ihre chinesischen Gastfamilien. In unseren 12 Tagen Aufenthalt lernten wir die chinesische Kultur besser kennen und stellten Gemeinsamkeiten sowie große Unterschiede zu unserer eigenen Kultur fest. Bereits am ersten Abend „schmeckten“ wir einen entscheidenden Unterschied, denn das Essen war für die meisten von uns eine große Umstellung.                                                                                                                     Am Morgen des zweiten Tages wurden wir herzlich von Mr. Zheng, dem Bürgermeister der Millionenstadt, in seinem Verwaltungszentrum empfangen. Nach dem Mittagessen ging es gleich weiter in ein Museum über die Entstehung und Geschichte der Stadt Quanzhou. An unserem dritten Tag in China besuchten wir die Peiyuan High School und lernten gleich etwas Chinesisch sowie ein chinesisches Lied, welches wir für den letzten Abend vorbereiteten. Auch die Chinesen lernten ein deutsches Lied („Hoch auf dem gelben Wagen“), wobei man gleich merkte, wie schwer unseren Gastgeschwistern die deutsche Aussprache fiel. Sowohl für uns als auch für die Chinesen war die Chorprobe amüsant anzuhören.                                            
Auch in den darauf folgenden Tagen wurde uns nicht langweilig, wir besuchten viele Museen, wie beispielsweise das Keramik-Museum in einem Ortsteil von Quanzhou. Dort lernten wir viel über das Herstellen und Bemalen von Keramik, was wir später in einer Grundschule selbst ausprobieren durften. Des Weiteren waren wir in dem berühmten Fujian-Taiwan Kinship Museum, welches die Geschichte über die Konflikte zwischen der Volksrepublik China und Taiwan aufzeigte. Wir lernten aber nicht nur viel über die politische Vergangenheit Chinas. Als Kontrast zur Politik besichtigten wir auch viele religiöse Orte, wie zum Beispiel den buddhistischen  Kaiyuan Tempel mitten in Quanzhou sowie einen konfuzianischen Tempel. Allerdings muss man an dieser Stelle sagen, dass der Buddhismus und der Konfuzianismus sich nicht gegenseitig ausschließen, da der Buddhismus eine Religion ist und der Konfuzianismus die Staatsphilosophie Chinas.                                                                                                    Das Wetter in China unterscheidet sich sehr stark von dem deutschen Wetter. Die schwüle Luft und die hohen Temperaturen machten es uns nicht leicht, besonders als wir den Qingyuan-shan, einen hohen Berg, erklommen. Trotzdem hat sich der Aufstieg sehr gelohnt, da man einen prächtigen Blick über die Stadt hatte. Ein weiteres Highlight war die Besichtigung eines echten Shaolin Tempels, wo wir eine tolle Kung Fu-Show von den dort lebenden Mönchen und Mönchsschülern vorgeführt bekamen, welche uns anschließend einiges Grundtechniken des Kung Fu beibrachten. Unsere mangelnde Dehnbarkeit sorgte nicht nur für Gelächter bei den Shaolin-Meistern, sondern auch bei unseren Begleitern, die uns amüsiert zuschauten. Zum Abschluss des Tages verbrachten wir noch eine schöne Zeit am Meer. Nach dem freien Wochenende in den Familien, welches die meisten Jugendlichen in der Universitätsstadt Xiamen verbrachten, folgte ein Besuch auf einer großen Teeplantage. Dort lernten wir einiges über das Herstellungsverfahren von Tee und wir durften bei einer traditionellen Teezeremonie zuschauen.
Die Abreise lief allerdings anders ab als geplant. Als wir nach einer einstündigen Busfahrt am Flughafen in Xiamen ankamen, stellte sich heraus, dass sich unser Flug nach Hong Kong wegen eines Unwetters um einige Stunden verschieben würde. Nach langem Warten konnten wir endlich das Flugzeug betreten, dort mussten wir allerdings eine weitere Stunde absitzen, bis uns letztendlich gesagt wurde, dass wir das Flugzeug auf Grund der Flugzeitüberschreitung der Crew verlassen mussten und somit an diesem Abend nicht mehr nach Hong Kong fliegen konnten. Dadurch verpassten wir natürlich unseren Anschlussflug in Hong Kong. Wir wurden nachts in einem Hotel untergebracht und fuhren am nächsten Morgen zurück zum Flughafen, von wo aus es nach weiteren Wartestunden endlich nach Hong Kong ging. Von dort aus ging es weiter über Mailand nach Deutschland. Mit etwa 24 Stunden Verspätung erreichten wir  alle müde, aber glücklich, den Hauptbahnhof in Neustadt.
Als Fazit bleibt nur zu sagen, dass wir in den letzten beiden Wochen der Sommerferien sehr viel über das Leben und die Kultur Chinas gelernt haben. Unserer Meinung nach war der Jugendaustausch eine außergewöhnlich tolle Lebenserfahrung und ein großer Erfolg, da wir trotz mangelnder Englischkenntnisse der chinesischen Austauschpartner in nur zwei Wochen Freunde fürs Leben gefunden haben. Wir werden alle versuchen, in Kontakt zu bleiben und freuen uns auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr hier in Deutschland.

(Selina Bien und Philipp Theobal)